Buhl-Aigner, Andrea (104/SN-132/ME)
Haltung
gemischt
Schlagwörter
Rechtliche Verweise
- AMD-G
- KOG
- § 54e Abs. 3, 3a, 3b
- Jugendschutzgesetze
- Pornographigesetz Art 1, § 2
- Verbotsgesetz
- Pornographiegesetz
- § 54e Abs. 3
Forderungen
- Ausweitung des Regulierungsbereichs über 'Videosharing-Plattformen' hinaus auf Messenger-Dienste (z.B. WhatsApp), KI-Chat-Dienste (z.B. ChatGPT, character.ai), Online-Spiele (z.B. Roblox, Minecraft) und Abrufdienste.
- Verpflichtung für Dienste wie WhatsApp, bestimmte Funktionsweisen userseitig deaktivierbar zu machen, um ungefilterte Videoinhalte oder Fremdkontakte zu verhindern.
- Überprüfung und Anpassung der Altersgrenze von 14 Jahren, um auch Jugendliche in der Oberstufe (15-17 Jahre) vor manipulativen Mechanismen und psychischen Belastungen zu schützen.
- Ausweitung des Schutzes über das 14. Lebensjahr hinaus zur Einhaltung geltender Jugendschutzbestimmungen
- Priorisierung des Kinder- und Jugendschutzes gegenüber dem Recht auf freie Meinungsäußerung in sozialen Netzwerken
- Ergänzung von § 54e Abs. 3 Z 5 um das Verbot von Funktionen, die die Kontaktaufnahme durch Fremde/Erwachsene ermöglichen
- Verbot von Funktionen, die das öffentliche Teilen von Inhalten durch Kinder und Jugendliche erlauben
- Regulierung der Interaktion mit KI-Diensten, die nicht spezifisch für Minderjährige konzipiert sind
- Verbot von Funktionen, die durch automatisches Löschen (z.B. Snaps, Stories) die Sicherung von Beweismaterial verhindern
- Verbot der Datenverarbeitung zu Werbezwecken, zur Re-Identifikation und zum Multi-Device-Tracking
- Verbot der Synchronisation von Kontakten oder Verhaltensweisen mit anderen Diensten
- Implementierung einer Altersverifikation beim Aufrufen von Videoinhalten über Suchmaschinen oder Browser
Volltext ↗ Parlament.gv.at
Stellungnahme zum Entwurf zur Änderung AMD-G und KOG,
Geschäftszahl: 2026-0.537.620
Positiv zu beurteilen sind die Punkte unter “ 6. In § 54e werden nach Abs. 3 folgende Abs.
3a und 3b eingefügt:” (..), (Doubleblind, 2 Komponenten, Trennung aller Elemente) die
technischen Vorgaben für eine Durchführung der Alterskontrolle sind aus meiner Sicht so
angelegt, dass der Datenschutz und die Privatsphäre der Nutzer:innen gewahrt ist.
Kritik an der Formulierung “Videosharing-Plattformen”; von der Verordnung betroffen
sein müssten aufgrund ähnlicher oder weiterer schädlicher / manipulativer Funktionsweisen
außerdem:
- Messenger-Dienste wie zB WhatsApp, die als Chat-Apps bekannt sind, aber
ebenfalls über Möglichkeiten zum Videosharing beinhalten und ebenfalls die meisten
der genannten Funktionen beinhalten. Diese Funktionen sind im Detail:
* WhatsApp-Kanäle (internationales, öffentliches Teilen von Videos durch die
Nutzer:innen und Empfang / Ansicht von Videos fremder Nutzer:innen,
Werbekanälen von Unternehmen) - diese Funktion kann nicht deaktiviert werden.
* Teilen von Videos in Chats (privat), Chatgruppen (Teil-öffentlich) im Status (privat
oder an alle, die meine Nummer besitzen) - keine dieser Funktionen kann
eingeschränkt werden
* Benachrichtigungen der App
* Kontaktaufnahme durch Erwachsene
* KI-Chat (Meta-AI - kann nicht deaktiviert werden)
- KI-Chat-Dienste und insbesondere auch KI-Companions wie zB ChatGPT,
Claude, Meta-AI (WhatsApp), MyAI (Snapchat) oder Companion-Dienste in
Angeboten wie z.B. character.ai (und vielen anderen Plattformen) verfübar
* die Nutzer:innen durch Antwort- und Rückfrage-Mechanismen zu einer langen
Chat-Dauer animieren
* die durch emotionalisierte, bestätigende Sprachmodelle scheinbar Nähe, Interesse
und Empathie erzeugen und Nutzer:innen emotional binden
* insbesondere Dienste mit romantischen und sexualisierten Chat-Inhalten (siehe
entsprechende Kategorien in Apps wie zB character.ai), die
partnerschaftlich-wirkende Beziehungen imitieren.
- Online Spiele für Kinder und Jugendliche, bei denen fremde Nutzer:innen online
in der gleichen Spielumgebung unterwegs sind und bei denen es implizit (zB durch
Bearbeitung der Spielfigur oder der Spielumgebung) oder explizit (zB durch
Sprachchat, Textchat) Möglichkeit zur Kontaktaufnahme oder Einschleusung kinder-
und jugendgefährdender Inhalte möglich ist (bekannt z. B. aus beliebten Spielen wie
Roblox oder Minecraft)
Aus der in den Erläuterungen angeführten Unterscheidung zwischen
“Videosharingplattformen” und “Abrufdiensten” geht nicht hervor, warum angenommen wird,
dass ein sogenannter Abrufdienst keine jugendgefährdenden Inhalte enthalten kann. Eine
Regulierung wird daher dringend auch für Abrufdienste und Apps, in denen User:innen
derartige Inhalte erhalten oder bereitstellen können empfohlen. Die Regulierung müsste für
Dienste wie WhatsApp zumindest die Vorgabe enthalten, dass bestimmte Funktionsweisen
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userseitig deaktiviert werden können, um den Konsum von ungefilterten Videoinhalten oder
die Kontaktaufnahme durch Fremde Nutzer:innen zu verhindern.
Kritik an der Altersgrenzen “Nuterz:innen und Nutzer unter 14 Jahren”
In den Erläuterungen stützen Sie sich auf Evidenz, die “13-17-Jährige” als stark betroffene
Gruppe nennt - das ist auch meine Empfehlung, meiner Erfahrung in über 100 Schulen
zufolge - alle in den Erläuterungen genannten Gefahren hinsichtlich Ablenkung, Sucht und
psychischer Gesundheit, enden nicht mit dem 14. Lebensjahr. Eher im Gegenteil: in
Versuchen in Schulen (siehe zB “Benachrichtigungsversuch” aus meinem Buch “Handyfreie
Schule”, erschienen im August 2026, Buchschmiede
https://www.buchschmiede.at/app/book/362972-Andrea-Buhl-Aigner-Handyfreie-Schule;book
Type=PB ) zeigt sich, dass besonders in der Oberstufe zusätzlich Regulierungsbedarf
besteht und besonder die Schüler:innen ab 15 von der hohen Last an Benachrichtigungen
betroffen sind. In meinem Workshop-Format “Reality Check”, das ich mit über 500
Schüler:innen der Oberstufe in Wien und NÖ durchgeführt habe, geben zwischen 30 und
50% jeder Gruppe an, Handy-Bildschirmzeiten zwischen 5 und 12 Stunden täglich zu haben.
Bei den Eltern zeigt sich, dass im Volksschul- und Unterstufenalter stellenweise (nicht
überall) schon etwas mehr reguliert wird. Oberstufenschüler:innen sind mit ihrer Nutzung
weitgehend allein gelassen und scheitern bei der Herausforderung, ihre Zeiten selbst zu
regulieren und sich manipulativen Mechanismen in Apps, Netzwerken und Spielen zu
entziehen. (siehe auch Daten aus dem Handy-Experiment aus 2025 und 2026 - lt. Anton
Proksch Institut ist auch die Oberstufe stark betroffen). Mechanismen wie endless Scroll,
Push-Notifications, Benachrichtigungen, Flammen oder Streaks wirken auf 15 oder
16-Jährige gleich stark wie bei 12 oder 14-Jährigen.
In Bezug auf den Abschnitt “(...) Schutz dieser Minderjährigen vor sie in ihrer körperlichen,
geistigen oder sittlichen Entwicklung beeinträchtigenden Inhalten oder Verhaltensweisen
nicht gewährleistet ist. (..)” möchte ich auf gültige Regelungen in den Jugendschutzgesetzen,
im Pornographigesetz und im Verbotsgesetz hinweisen.
Z. B. dass sich lt. Art 1, §2 des Pornographigesetzes sich schuldig macht, wer wissentlich
dort definierte Veröffentlichungen einem größeren Kreis von Personen unter 16 Jahren
zugänglich macht.
in Artikel 1, § 2. des Pornographiegesetzes
https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=100052
26 Bundesgesetz vom 31. März 1950 über die Bekämpfung unzüchtiger Veröffentlichungen und den
Schutz der Jugend gegen sittliche Gefährdung.
1.
(1)Eines Vergehens macht sich schuldig, wer wissentlich
b)
eine solche Schrift, Abbildung oder sonstige Darstellung auf eine Art ausstellt, aushängt, anschlägt
oder sonst verbreitet, daß dadurch der anstößige Inhalt auch einem größeren Kreis von Personen
unter 16 Jahren zugänglich wird,
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Weiters gibt es in den Jugendschutzgesetzen der Länder geltende Regelungen zu
Jugendgefährdenden Inhalten (zB hier aus Salzburg
https://www.oesterreich.gv.at/de/themen/reisen_und_freizeit/vorschriften-fuer-jugendliche/ver
haltensregeln-im-alltag-und-auf-reisen/1/Seite.1740545) , insbesondere zu Gewalt-Inhalten,
diskriminierenden Inhalten und sexualisierten Inhalten:
“Das Anbieten, Vorführen, Weitergeben und Zugänglichmachen von Medien und
Dienstleistungen an Personen unter 18 Jahren ist verboten, wenn sie Kinder oder
Jugendliche in ihrer körperlichen, geistigen, sittlichen, charakterlichen oder sozialen
Entwicklung gefährden können. Darunter fallen Medien und Dienstleistungen, die
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eine gehäufte Darstellung oder Verherrlichung von Gewalt beinhalten,
Menschen wegen ihrer Ethnie, Hautfarbe, Herkunft, ihres Geschlechts, ihrer
Behinderung oder Religion diskriminieren, oder
die Darstellung oder Vermittlung sexueller Handlungen, die die Entwicklung
von Jugendlichen gefährden, beinhalten.”
In diesen Regelungen sind Gewaltinhalte und sexualisierte Inhalte als jugendgefährdend
für Personen unter 18 Jahre eingestuft.
Auf diversen Videosharingplattformen (aber auch in Messenger-Diensten wie zB WhatsApp)
ist (trotz dahingehender Angaben der Betreiber) die Filterung und Sperre von
pornografischen bzw. Gewaltinhalten nicht zuverlässig gegeben. Weiters sind durch
internationalen Zugang und weltweite Verbreitung auch Inhalte radikaler politischer und
religiöser Gruppen für junge Nutzer:innen zugänglich.
Porno-Plattformen schalten dort (zum Teil codiert) Werbungen, die Nutzer:innen auf andere
Plattformen locken sollen, diese Werbungen erreichen auch Kinder und Jugendliche. Auf
Plattformen wie YouTube sind stark sexualisierte Videos und zum Teil pornografisches
Material verfügbar, auf SnapChat treten “Sexy-Snap”-Accounts mit Jugendlichen in Kontakt,
auf allen bekannten Plattformen mit Kommunikationsfunktionen treten Erwachsene mit
Kindern und Jugendlichen in Kontakt (Grooming).
Gewaltinhalte (z.B. aktuelles Videomaterial aus internationalen Kriegs- und Krisengebieten)
oder radikale politische Inhalte (z.B. aus Ländern ohne Verbotsgesetz) sind in
Videosharingplattformen und über Messenger-Dienste frei zugänglich.
Das neue Gesetz muss sicherstellen, dass die geltenden Jugendschutzbestimmungen, das
Verbotsgesetz und das Pornographiegesetz eingehalten werden, ein Schutz für unter
14-Jährige ist daher nicht ausreichend.
Kritik an der Priorisierung des Rechst auf freie Meinungsäußerung vor dem Kinder-
und Jugendschutz
(..) “Die durch soziale Netzwerke eröffnete Möglichkeit, eigene Meinungen und Ideen frei
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Stellungnahme zum Entwurf zur Änderung AMD-G und KOG,
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zu äußern und die Ansichten anderer Nutzerinnen und Nutzer frei zu empfangen, birgt ein
nicht zu vernachlässigendes Potenzial für demokratischen Austausch und die
Meinungsbildung der Bürgerinnen und Bürger.” (...)
Genau das Gegenteil ist der Fall - es wird immer klarer, wie stark die algorithmisch
gesteuerten Inhalte auf den besagen Plattformen missbräuchlich verwendet werden (z.B. zur
Beeinflussung von Wahlen, Verbreitung radikaler politischer und religiöser Inhalte, zur
Manipulation und Rekrutierung von jungen Menschen) und dass diese Mechanismen
demokratische Prozesse nicht fördern, sondern verletzen und zerstören.
Zur Zusatzinformation empfehle ich die Werke der Radikalisierungsforscherin Julia Ebner,
“Radikalisierungsmaschinen” und “Massenradikalisierung”
https://www.thalia.at/shop/home/artikeldetails/A1054577058
https://www.thalia.at/shop/home/artikeldetails/A1066477256 und eventuell auch eine
Betrachtung der Wahlergebnisse in Europa in den vergangenen 4-6 Jahren.
Solange die Plattformen nicht inhaltlich und mit allen Funktionsweisen “safe by Design” sind,
steht für Kinder und Jugendliche kein sicherer Raum für den Konsum von Information oder
den Austausch und die freie Meinungsäußerung zur Verfügung. Für Jugendliche stellen die
Netzwerke aktuell auch keinen sicheren RAum zur Information (zB für Erstwähler:innen) dar,
die Menge an gezielter Falschinformation ist hoch, KI-Deepfakes sind mittlerweile so gut,
dass Durchschnittsuser:innen nicht beurteilen können, was real und was fake ist.
Ergänzungen:
zu 5. Dem § 54e Abs. 3 wird folgende Z 5 angefügt:
(...)“Dieser Schutz ist jedenfalls dann nicht gewährleistet, wenn der Plattform-Anbieter eine
der folgenden Funktionen einsetzt:” (..)
In der übermittelten Auflistung fehlen Funktionen bzw. sind einige Formulierungen nicht
ausführlich genug:
● Die Kontaktaufnahme durch Fremde / Erwachsene ermöglichen (zB durch
Verknüpfung der Konten, Direktnachrichten, Kommentare, Audionachrichten oder
Videochats mit Fremden / Erwachsenen.
● Die das öffentliche Teilen von Inhalten durch Kinder und Jugendliche ermöglichen
(durch Chatgruppen, Status-Updates, Postings)
● Die das öffentliche Teilen von jugendgefährdenden Inhalten (lt. geltender Gesetze)
beinhalten
● Interaktion mit KI-Diensten, die nicht für die Nutzung durch Kinder konzipiert oder
nicht spezifisch für die Nutzung durch Minderjährige freigegeben sind
● Funktionen, die Übergriffe by Design fördern, wie zB Formate, die automatisiert nach
einer festgelegten Zeitspanne verschwinden (Snaps, Stories, Status) oder by Design
nicht speicherbare Nachrichten (Snaps, auf 1-malige Ansicht beschränkte
Foto-Übertragung, automatische Löschunge der Nachrichten, automatische
Löschung des Ki-Chatverlaufs nach Schließung des Chats), die verhindern, das
Beweismaterial gespeichert werden kann.
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● Datensammlung zu Werbezwecken, zur Re-Identifikation, zum Multi-Device-Tracking,
zur Synchronisation von Kontakten oder Verhaltensweisen mit anderen Diensten
oder zur algorithmischen Ausspielung von Inhalten.
● Aufrufen und Zuverfügungstellen von Videoinhalten über Suchmaschinen oder
Browser ohne Altersverifikation.
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